„Mein Land ist mir zerfallen” heißt eines der bekanntesten Gedichte des Lyrikers Jürgen Rennert. Es ist Abgesang und Klagelied zugleich auf und für jenes zweite Deutschland, das 40 Jahre lang verkündete, einer gerechteren, sozialistischen Welt eine Heimat zu verschaffen – das Land, in dem Rennert, nach zehn Kindheitsjahren im Westberliner Neukölln, knapp vier Jahrzehnte seines Lebens verbrachte. Der Riss, der im viel zitierten Gedicht klafft, ist der Riss, der sich durch das gesamte Leben und Werk des Verfassers, sein Denken und Handeln zieht.
    Das Feature folgt Rennert an Schauplätze seines Berliner Lebens, konfrontiert mit Lebensentscheidungen eines zwangsläufig Umstrittenen. Im Wieder-Begehen der hauchdünnen Grenzlinie zwischen Widerstand und Anpassung, Lüge und Wahrheit wird er sekundiert von Weggefährten wie Friedrich Schorlemmer, Jörg Hildebrandt, Christoph Links, Antje Leetz u.a.

    Produktion Deutschlandradio Kultur Mai 2010